Alternative E-Portfolio-Lösungen
Neben den bisher besprochenen E-Portfolio-Plattformen gibt es aber auch andere Möglichkeiten, E-Portfolios herzustellen. Das können sowohl Lösungen auf Arbeits- und Lernplattformen sein - per Blog oder Wiki - wie auch mit mobilen Geräten, z.B. dem Handy.
educanet² Blog
educanet² ist eine Plattform für Information, Kommunikation und Kooperation im Rahmen von verschiedenen Lehr-/Lernszenarien innerhalb einer einzigen oder zwischen mehreren virtuellen oder realen Bildungsinstitutionen. Die Plattform vereint eine Vielzahl von geschlossenen und selbst verwalteten Institutionen bzw. Schulen zu einer einzigen grossen Lehr-/Lern-Community. Darüber hinaus bietet die Plattfrom eine reichhaltige Palette von Werkzeugen (Wiki, Webpagegenerator, Blog, Onlinekurse, Dateienaustausch, etc.) welche vom Administrator unserer Institution wahlweise in ihrem ganzen Umfang oder in einer spezifischen Auswahl zur Verfügung gestellt werden können (14) vgl. M. Hofmann / R. Kugler E-Learning Konzept, 2008)
Die Blog-Funktion auf educanet² bietet sich zur Herstellung eines Schülerinnen- und Schüler-Portfolios an, da so ein E-Portfolio in passwortgeschütztem Raum leicht untereinander oder innerhalb der Gruppen ausgetauscht werden kann.
Good Practice Studie
Christian Fantoli und Josiane Chevalley-Roy, Lehrpersonen-Ausbilder an der PH Lausanne, haben sich mit dem Gebrauch eines Portfolios im Rahmen der Lehrpersonen-Ausbildung zur Integration von ICT in den praktischen Unterricht beschäftigt. Als Werkzeug haben sie die Blog-Funktion von educanet² für das E-Portfolio gewählt. Ihr Interesse galt dem Vorteil der Nutzung eines E-Portfolios im Gegensatz zu einer traditionellen Evaluation. Der unten stehende Bericht in Französisch gibt Auskunft über die praktischen Aspekte des Experiments.
(PDF, 10.78 MB)
PHR - Lernportfolio mit Blog und Handy
Die Pädagogische Hochschule St. Gallen PHSG, ehemals PHR, machte 2006 einen Versuch: Die Studenten des ersten Semesters müssen ein Lernreisebuch führen und die eigenen Lernfortschritte und die Erfahrungen, welche sie während der Ausbildung machen, in einem Lernportfolio zusammenfassen.
Mit einer Versuchsklasse wurde nun geprüft, welchen Nutzen moderne Internetanwendungen in der Lehrer-Ausbildung haben können. In der Klasse führten 12 von 24 Studenten ein elektronisches Portfolio mit einem Blog der Firma Kaywa, welcher sich via Internet als auch vom Handy aus benützen lässt. Sechs Studenten der Gruppe «Mobile» arbeiteten auch mit dem Handy. Als Vergleichsgruppe führten die anderen zwölf Studierenden ihr Lernportfolio konventionell auf Papier. «Die Blog-Teilnehmer meldeten sich freiwillig und mussten keine PC-Freaks sein», sagt Projektleiter Martin Hofmann, der die Studie mit zwei Dozenten durchführt.
Die Blogs der Studenten konnten laufend beobachtet werden, und die Durchführenden waren erfreut über deren Qualität.
Wissensaufbau basiere darauf, dass Inhalte wiederholt und in eigene Worte gefasst werden, dies geschehe mit Blogs sehr intensiv, sagt Christen. Eine sprachliche Verluderung wegen des Bloggens sei nicht festzustellen. Handy und Internet erweiterten dank der Mobilität den Lernraum, sagt Hofmann. Er glaubt, dass deshalb das eigenständige Lernen gefördert werde. Aber das Bloggen soll weiterhin nur ein Ergänzungs-Tool bleiben.
TUHH - ePortfolio-Lösung als Plugin
Die Technische Universität Hamburg-Harburg (TUHH) hat im Rahmen eines vom Hamburger E-Learning-Consortium (ELCH) geförderten Projektes von Mitte 2008 bis Ende 2010 eine ePortfolio-Lösung als Plugin für die Lernplattform Stud.IP sowie als frei zugängliche Stand-alone-Version entwickelt. Ziel ist die Unterstützung individueller Lern- und Entwicklungsprozesse der Studierenden. Dies beinhaltet die Anregung von Eigenverantwortung und Selbststeuerung der Studierenden ebenso wie die Selbstreflexion sowohl im Hinblick auf Lernprozesse als auch auf die persönliche Lernbiografie. Gefördert werden soll zudem der kooperative Gedanke beim Lernen, also das Lernen im Austausch. Das ePortfolio kann in diesem Sinne vor allem für die drei Szenarien Orientierung, Entwicklung und Bewerbung eingesetzt werden. Es wurde auf die Bedürfnisse der Studierenden einer Technischen Universität zugeschnitten und seine Nutzung erfolgt an der TUHH rein freiwillig, nicht veranstaltungsbezogen und unbenotet. Das Plugin - aber auch die Stand-alone-Version - stehen allen Hochschulen, die ebenfalls mit der Lernplattform Stud.IP arbeiten, kostenlos zur Verfügung.
