Definition
Die Vielfalt aktueller Portfoliobegriffe (Abb. 1: Portfolio-Begriffe) lässt erahnen, dass die Einsatzmöglichkeiten sehr unterschiedlich sind und dadurch auch die Definitionen. Die grosse Anzahl so genannter Bindestrich-Portfolios haben auch im deutschsprachigen Raum zur Folge, dass die Konzepte unter dem Überbegriff Portfolio sehr unterschiedlich sind, was zusätzlich zur Verwirrung beiträgt.
Abbildung 1: Portfolio-Begriffe
Begriff
Der Begriff Portfolio gewinnt zurzeit in der Schule zunehmend an Popularität. Doch auch wenn gelegentlich bereits von einer "Portfoliomanie" (1) Behrens, M. (2001)) gesprochen wird, darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der Regel nur wenig Klarheit darüber besteht, was sich hinter dieser Etikette im pädagogischen Bereich eigentlich verbirgt. (2) Häcker, T.(2003).
Der Begriff Portfolio ist aus den beiden lateinischen Wörtern „portare = tragen“ und „folium = Blatt“ zusammengesetzt. Ursprünglich war ein Portfolio daher eine Mappe mit losen Blätter bzw. Arbeiten, wie sie z.B. von Künstlern für die Sammlung ihrer Bilder oder Texte angelegt wurde. Sie konnten mit diesen Mappen ihre Arbeiten, ihre Entwicklung, ihre Arbeitstechniken bzw. ihren Stil dokumentieren. Künstler, Architekten nutzen heute noch solche persönlichen Bewerbungsmappen.
Portfoliodefinition
Im Jahre 1990 wurde an einem Workshop mit den Portfoliospezialisten Pearl und Leon Paulson eine Portfoliodefinition erarbeitet, welche in der Zeitschrift Educational Leadership unter dem Titel „What makes a portfolio a portfolio?“ veröffentlicht wurde.
„Ein Portfolio ist eine zielgerichtete Sammlung von Arbeiten, welche die individuelle Bemühungen, Fortschritte und Leistungen der/des Lernenden auf einem oder mehreren Gebieten zeigt. Die Sammlung muss die Beteiligung der/des Lernenden an der Auswahl der Inhalte, Kriterien für die Auswahl, der Festlegung der Beurteilungskriterien sowie Hinweise auf die Selbstreflexion der/des Lernenden einschliessen.“ (3) Paulson 1991 )
Diese Definition hat den Vorteil, dass sie verschiedene Arten der Umsetzung zulässt und trotzdem nicht beliebig wird.
Eine andere Definition aus dem Bildungsbereich lautet: „Ein Portfolio ist eine dynamische, zielgerichtete und systematische Sammlung von Arbeiten, die Bemühungen, Fortschritte und Leistungen des Lernenden in einem oder mehreren Lernbereichen darstellen und reflektieren“. (4) Das Portfoliokonzept in der Sekundarschule).
E-Portfolio
Das e vor dem Portfolio steht für electronic und lässt auf das Medium schliessen, auf dem es sich befindet bzw. erstellt wurde. Es handelt sich beim E-Portfolio also um eine digitale Sammelmappe. Die amerikanische Expertin Helen Barrett definiert das elektronische Portfolio wie folgt:
„Ein elektronisches Portfolio nutzt elektronische Technologien, die es dem Portfolio-Entwickler erlauben, Portfolio-Dokumente, die aus verschiedenen Medientypen (Audio, Video, Grafik, Text) bestehen, zu sammeln und zu organisieren. Ein standardbasiertes Portfolio nutzt eine Datenbank oder Hypertext-Links, um die Beziehungen zwischen Standards oder Zielen, Dokumenten und Reflektionen klar aufzuzeigen“ (5)Barrett 2000)
Portfolio-Prozess
Nach Hilzensauer und Hornung-Prähauser werden im Prozess der Erstellung und Pflege eines E-Portfolios fünf Schritte (nicht zwingend in der angegebenen Reihenfolge) durchlaufen, die zumindest in der Initialphase mit der Festlegung von Zielsetzung und Kontext beginnen. (6) Hilzensauer, Hornung-Prähauser, 2005)
Abb. 2: Portfolio-Prozess
