Didaktische Konsequenzen

Damit die vorher erwähnten Lesestrategien erfolgreich angewandt werden können, gilt es bei der Planung des Unterrichts und in der Kommunikation mit den Schülerinnen und Schülern ein paar Grundsätze zu beachten.

Bei der Bereitstellung des Lesematerials zu berücksichtigen:

  • Sachtexte aus dem laufenden Unterricht nutzen

    , um die Anwendung von Lesestrategien zu üben.

  • Sinnvoll Synergien nutzen:

    Lautlese-Verfahren an Sachtexten aus dem Fachunterricht üben anstatt an inhaltlich unvernetzten Texten.

    Mehrmaliges lautes Vorlesen in Tandems fördert die Erstellung des Sinnzusammenhangs in den einzelnen Sätzen und den Aufbau des Fachvokabulars. Zu erfolgreichen Laut-Lese-Verfahren vgl. hierarchietiefe Lesekompetenz.

Im Unterricht beachten:

  • „Unterstreiche, was du verstanden hast.“

    Es empfiehlt sich auf dem aufzubauen, was die Jugendlichen verstanden haben. Verstehen kann nur vom bereits Verstandenen aus konstruiert werden.

  • Eigene Recherchen und das Finden von eigenen Fragestellungen anregen, ermöglichen und unterstützen.

    Das Erstverständnis ernst nehmen und nicht sofort durch enge Fragen und Aufgaben das Interesse an den Texten sowie die Bezüge zu Vorwissen und der Erfahrungswelt der SchülerInnen einschränken. Räume für individuelle Zugänge öffnen.

Wichtig beim Vermitteln von Lesestrategien:

  • Lesen beginnt vor dem Lesen:

    Zum Lesen von Sachbüchern gehören Strategien wie: Vorwissen aktivieren, Erwartungen an den Text formulieren und Ziele des Leseprozesses formulieren. Diese Strategien sind zentral für die Nutzung von Sachtexten (Baurmann/Müller 2005).

  • Eine Vorentlastung durch Wortschatzarbeit, die Vermittlung von Zusammenhängen und Modellen sowie Hinweisen auf die Textstruktur ist sehr wichtig, damit die Einbettung ins Vorwissen überhaupt stattfinden kann.

    Viele Schulbuchtexte entsprechen nur zum Teil den Kompetenzen der angepeilten Altersgruppe. Sie werden von den schwächeren Schülerinnen

    und Schülern nicht verstanden, da sie zu informationsdicht, zu wenig redundant und zu wenig anschaulich formuliert sind. Oft bestehen die Texte aus einer Anhäufung von Einzelinformationen, statt Informationen in einem durchschaubaren, zusammenhängenden Konzept zu präsentieren. Diese Schwierigkeiten müssen Lehrpersonen durch ihre didaktische Arbeit auffangen.

  • Die Organisation des Textes sichtbar zu machen, ist die effektivste Form der Unterstützung wenig Leseerfahrener.

    Didaktisch eignet sich dazu vor allem die grafische Verdeutlichung des Textmusters durch Listen, Mind Maps, Matrix, Tabellen und Regelkreise oder Flussdiagramme.

    Diese Verfahren zur grafischen Umsetzung von Textmustern müssen sorgfältig eingeführt werden. „Sprachwelt Deutsch“ bietet im Werkbuch für die Schülerinnen und Schüler nützliche Anleitungen dazu. In den Trainingsmaterialien finden sich zusätzliche Übungsmöglichkeiten. Geeignete Verfahren sind nicht nur im Kapitel „Lesen und Verarbeiten“ zu finden, sondern auch unter „Schreiben – das Schreiben vorbereiten“. „Sprachwelt Deutsch“ führt Clustering und Mind Mapping zwar als Methoden zur Schreibvorbereitung ein, diese Methoden eignen sich aber ebenso zum Sichtbarmachen der Struktur eines gelesenen Textes. Damit können sie auch als elaborierende Lesestrategien, d.h. als Strategien nach der Lektüre, genutzt werden.

  • Dafür sorgen, dass dieselben Lesestrategien mehrmals am Tag in verschiedenen Schulfächern und bei verschiedenen Personen eingeübt werden.

    Dies kann zum Beispiel mit Hilfe des Lesestrategiefächers aus „Lesen. Das Training.“ geschehen, den die Jugendlichen mit sich tragen und in allen Fächern bei der Textarbeit einsetzen.

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