Funktionen eines Portfolios

Die Vielfalt der Portfoliobegriffe löst immer wieder Grundsatzdiskussionen aus, ob man noch von einem Portfolio sprechen kann oder eben nicht. Was darunter genau zu verstehen ist, bestimmt in erster Linie der Verwendungszweck und daraus resultierend die Funktionen, welche es zu erfüllen hat. Die unterschiedlichen Portfolio-Begriffe in der Grafik (vgl. Abb. 1) lassen teils erahnen, welche Aufgaben und Funktionen damit erreicht werden wollen (Qualifikation, Chronologie, Medium, Zeitrahmen, Unterrichtsform, etc.).

5 Kerngedanken

Versucht man den Begriff Portfolio zu präzisieren, kann es angesichts der Vielzahl von Portfoliovarianten und –begriffen offenbar nur darum gehen, einige Kerngedanken herauszustellen, die den unterschiedlichen Portfolioformen gemeinsam sind, ohne jedoch die Stärken des Konzeptes, seine Offenheit, unnötig einzuschränken (7) vgl. Häcker 2004).

Im Folgenden werden fünf wesentliche Kerngedanken präzisiert:

  • Kompetenzdarstellung

    Portfolios enthalten Arbeiten, Gedanken und Meinungen, welche die Lernenden für präsentabel halten. Das eigene Können wird über ausgewählte Leistungsprodukte dargestellt. Anders als bei tradierten Leistungskontrollen sind die Lernenden in der Lage, selbst zu entscheiden, was sie präsentieren wollen und können so aktiv ihre Kompetenzen darstellen.

  • Reflexion

    Durch die Rückschau denken die Lernenden über ihre Lernerfolge, -wege, -probleme und -ziele nach. Durch eine regelmässige Zwischenbilanz wird der weitere Weg gegebenenfalls adaptiert, daher könnte man auch von einer formativen (Selbst-) Beurteilung sprechen.

  • Prozess des Lernens

    Durch das zielgerichtete Sammeln entsteht eine chronologische Abfolge von Überlegungen, Arbeiten oder Ansichten. Sie gestatten dem Lernenden und dem Betreuer, die Lernprodukte und den Lernprozess gemeinsam in den Blick zu nehmen und zu beurteilen. Der Prozess gewinnt an Gewicht gegenüber dem Lernprodukt und ermöglicht mitunter eine Leistungsbeurteilung für einen laufenden Lernprozess.

  • Leistungsbewertung

    Wie bereits unter dem Punkt Prozess des Lernens erwähnt, lässt es die Einsicht in den Lern-Prozess zu, diesen in die Leistungsbeurteilung miteinzubeziehen, was eine angemessenere Leistungsbeurteilung zulassen könnte. Durch die selbstbestimmte Auswahl der präsentierten Arbeiten im Portfolio, wird durch die stärkere Schülerorientierung ein lernförderliches Klima geschaffen. Das Portfolio kann als alternatives Beurteilungsinstrument oder als ergänzende Methode zur Leistungsbeurteilung verstanden werden, da eben auch eine weitere Schlüsselkompetenz wie die Selbständigkeit ersichtlich wird.

  • Individualisierung

    Durch die grosse Mitbestimmung der Inhalte lässt die Portfolioarbeit auch einen hohen Grad an Individualität zu, wodurch die Fähigkeit zur Selbststeuerung des Lernens erworben wird. Die Lernenden erhalten die Möglichkeit, ihre Lernwege selbst zu bestimmen, ihre Prozesse selbst zu planen, eigenständig zu steuern und zu reflektieren. Dieses Konzept passt daher sehr gut in die neue Lehr-Lernkultur des selbstbestimmten Lernens, des offenen Unterrichtes, des individuellen Lerntempos und der Zeit- und teils auch Ortsunabhängigkeit des einzelnen Lerners.

Bibliographie

7) Häcker, Thomas (2004): Portfolio – Ein Entwicklungsinstrument für selbstbestimmtes Lernen. Eine explorative Studie zur Arbeit mit Portfolios in der Sekundarstufe 1. Heidelberg: Unveröffentlichte Habilitationsschrift

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