Hierarchietiefe Lesekompetenzen
Zur Förderung hierarchietiefer Lesekompetenzen werden vor allem die folgenden beiden Ansätze empfohlen:
Ansatz 1: Lesemotivation steigern durch packende Sachthemen
Die hemmende Wirkung fehlender Lesekompetenzen auf der Ebene der Wort- und Satzerkennung kann durch ein Angebot packender Sachthemen etwas gemildert werden. Die Lesemotivation der Jugendlichen kann sich steigern, wenn diese Themen ihre persönlichen Informationsbedürfnisse treffen. Es gilt, das Lesen in ihren eigenen Interessenbereichen zu üben und von dort aus weiterzuschreiten.
Ausgangstexte finden sich beispielsweise in der „Lesewerkstatt“, einer Lernsoftware für individualisierendes Lesetraining, die vielfältige Übungsmöglichkeiten auch auf der hierarchietiefen Ebene der Lesekompetenzen anbietet. Die „Lesewerkstatt“ ist zwar für die Primarschule konzipiert, doch werden darin Texte aus Sachbüchern und Sachzeitschriften verwendet, die durchaus auch Schülerinnen und Schüler der Oberstufe ansprechen. Die „Lesewerkstatt“ ist im Sommer 2009 im Lehrmittelverlag des Kantons Zürich erschienen.
Ansatz 2: Training durch Lautlesen
Ein Ursprung mangelnder Lesefertigkeit kann im zu langsamen Buchstabieren des Schülers oder der Schülerin liegen, was das Herstellen eines Sinnzusammenhangs verhindert. Abhilfe bieten hier Lautlese-Verfahren, die das Vorlesen, die Herstellung der lokalen Kohärenz wie eine sportliche Fertigkeit behandeln, die regelmässig trainiert werden muss. Dabei wird dem Inhalt weniger Beachtung geschenkt. Es geht „nur“ darum, flüssig und sinnvoll betont vorzulesen.
Diese Herangehensweise spricht vor allem Jungen an, die dem schulischen Lesen sonst eher gleichgültig bis kritisch gegenüberstehen.
Ein erfolgreiches Lautlese-Verfahren wird in „Lesen. Das Training“ von Andrea Bertschi-Kaufmann beschrieben. Trainingsteil 1 „Lesefertigkeiten“ und Trainingsteil 2 „Lesegeläufigkeit“ setzen auf der Ebene der Wort- und Satzerkennung an. Wir schlagen vor, das Geläufigkeitstraining im Tandem, wie es in diesem Lehrmittel beschrieben wird, an Sachtexten aus verschiedenen Fächern durchzuführen, die sowieso rezipiert werden müssen, und nicht an Texten, die nur zu Übungszwecken gelesen werden. Die von den Autoren vorgestellte Vorgehensweise kann auf alle Texte angewendet werden, die dem Lesevermögen der Jugendlichen ungefähr entsprechen.
Zu beachten: Im Gegensatz zu den erwähnten Trainingsformen zeigt das häufig praktizierte laute Reihumlesen unbekannter Texte als Trainingsform keine bzw. wenig Lernwirkung.
