Sicherheit und Gesundheit

Neuere Fallstudien, die in mehreren europäischen Ländern durchgeführt wurden, zeigen, dass die Frage der Gesundheit und der Sicherheit in Zusammenhang mit der Nutzung von interaktiven Whiteboards nicht in allen schulischen Einrichtungen, die sich für die Einführung dieser neuen Technologie entschieden hatten, berücksichtigt wurde. (European Schoolnet, 2009). Dennoch können solche Ausrüstungen für ihre User Risiken darstellen, wenn sie nicht richtig installiert sind und nicht richtig gehandhabt werden.

Meistens funktionieren interaktive Whiteboards so, dass sie das Bild sichtbar machen, das von einem entfernten Videoprojektor, der gegenüber ihrem Bildschirm platziert ist, gesendet wird. (siehe Kapitel "Technologien"). In diesem Fall müssen bestimmte Vorkehrungen unbedingt beachtet werden, um der Lehrperson und ihren Schülern und Schülerinnen einen optimalen Nutzungskomfort zu gewährleisten und jede Gefahr zu vermeiden. Denn der Videoprojektor weist vier Gefahrenquellen auf: Verbrennung, elektrischer Schlag, Blendung und Lärmbelästigung bei längerer Nutzung. Die ersten beiden können vermieden werden, indem die Installation des Materials Fachleuten anvertraut wird und die normalen Sicherheitsregeln eingehalten werden. Das mit dem Licht und dem Lärm verbundene Problem erfordert besondere Aufmerksamkeit.

Das Lärmproblem

Die Ventilatoren der Videoprojektoren erzeugen einen Lärm, der die Klasse stören kann. Wie eine kürzlich in der Schweiz durchgeführte Fallstudie (European Schoolnet, 2009) aufzeigt, führt dieser kontinuierliche Hintergrundlärm bei einigen Schülern zu Müdigkeit und nachlassender Konzentration. Die Wahl des Videoprojektors wird also diesen Aspekt berücksichtigen müssen, selbst wenn das von diesen Geräten erzeugte Lärmniveau deutlich unter den Grenzwerten, die eine Gefahr für das Gehör darstellen, liegt (CFST, 2008). So sollte gemäss den Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Akustik (SGA, 2004) in einem Schulzimmer je nach Grösse und Gestaltung der Räumlichkeiten der Schalldruckpegel 30 bis 40 dB(A) nicht überschreiten. Es sei darauf hingewiesen, dass der von einigen interaktiven Whiteboard-Typen verursachte Ultraschall keine Gefahr für die Gesundheit bedeutet, wenn sein Pegel die Höchstschwelle von 140 dB nicht überschreitet (CFST, 2008). Ein einfacher Trick, um den Lärm des Ventilators zu reduzieren, besteht darin, den Videoprojektor im Sparmodus zu benutzen, wenn es das Gerät erlaubt und die Sicht am Bildschirm nicht darunter leidet.

Das Lichtproblem

Foto: Frau vor interaktiver Wandtafel mit Lichtkegel

Der Lichtkegel des Videoprojektors ist von solcher Intensität, dass er unangenehm sein oder sogar eine potenzielle Gefahr für das Auge darstellen kann. Auf diese Frage angesprochen wies das britische Regierungsorgan Health and Safety Executive (2008) die User von interaktiven Whiteboards an, nie auf die Lampe des Projektors zu sehen, um jedes Risiko einer Augenschädigung zu vermeiden. In den formulierten Leitlinien wird zudem dem Vorführenden empfohlen, dem Videoprojektor so oft wie möglich den Rücken zuzuwenden und sich vom Lichtkegel fernzuhalten, wenn er sein Publikum mehr als einige Sekunden ansehen muss. Auch die Personen, die der Projektion beiwohnen, können von der Spiegelung der Lampe auf der Projektionsoberfläche gestört werden. Der so gebildete Widerschein auf dem Bildschirm (Phänomen des "Hot Spot") könnte infolge seiner hohen Leuchtstärke zu einer Ermüdung der Augen und einer Abnahme der Konzentration führen (CFST, 2008). Durch Verwendung matter und antireflektierender Beschichtungen kann diese Wirkung gemildert werden, ebenso durch Benutzung von Videoprojektoren mit ultrakurzer Brennweite. Diese neuesten Projektortypen begrenzen auch die Blendungsgefahr der Person, die das interaktive Whiteboard manipuliert, da sie relativ nahe am Bildschirm positioniert werden können. Um ein ausreichend klares Bild auf dem Bildschirm zu garantieren, selbst in hellen Umgebungen, müssen die Videoprojektoren ausserdem eine hohe Leuchtstärke haben. In Grossbritannien vertritt die National Union of Teachers (2006) jedoch die Meinung, dass eine Stärke von 1 500 ANSI Lumens nicht überschritten werden sollte, um Blendung zu vermeiden. Sie empfiehlt dafür die Installation von Rollläden in den hellsten Räumen, um die Helligkeit künstlich zu reduzieren. Doch ist zu beachten, dass diese Option den Arbeitskomfort der Schüler und Schülerinnen verringern könnte, insbesondere bei häufiger und längerer Nutzung. Sie sollte daher entsprechend den im jeweiligen Kanton geltenden Bestimmungen zur Beleuchtung der Schulräume beurteilt werden (siehe auch die Weisungen der Eidgenössischen Koordinationskommission für Arbeitssicherheit zur Arbeitsumgebung (CFST, 2008), die Normen des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins und die Empfehlungen der Schweizer Licht Gesellschaft.

Das Problem der Höhe des Bildschirms

Foto: Lampe über interaktivem Whiteboard

Bei der Evaluation eines gross angelegten IWB-Projekts in den Grundschulen Englands haben Forscher festgestellt, dass die interaktiven Whiteboards in den meisten Klassen der unteren Stufen zu hoch angebracht worden waren (Somekh et al., 2007). Die britische Regierungsbehörde Becta (2006) ist sich dieser Problematik bewusst und schlägt vor, kleine Schemel oder erhöhte Plattformen zu installieren, damit einerseits die Kinder und andererseits die Lehrperson einfach zur Tafel gelangen können. Die National Union of Teachers (2006) unterstützt diesen Vorschlag und weist zudem auf andere Alternativen hin, wie z.B. den Gebrauch von digitalen Stäben oder Tabletts, mit denen das interaktive Whiteboard ferngesteuert werden kann. Vor kurzem sind neue Videoprojektoren mit ultrakurzer Brennweite (Weitwinkel-Objektiv) erschienen. Da die Projektoren sich damit deutlich dem Bildschirm nähern können, ist es jetzt möglich, sie auf einem fest installierten Arm des interaktiven Whiteboards zu befestigen. Folglich kann die Höhe der ganzen Vorrichtung leicht reguliert werden ohne den Projektor neu auszurichten oder die Tafel neu zu kalibrieren.

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