Was will diese Handreichung?
Auch in einer stark medialisierten Gesellschaft wie der unsrigen bleibt Lesen eine Schlüsselkompetenz. Wer sich an den gesellschaftlichen Prozessen beteiligen will, muss sich in der Informationsflut, die via neue und alte Medien über uns hereinbricht, orientieren können.
Die Ziele der Handreichung
In einer Zusammenarbeit des Schweizerischen Instituts für Kinder- und Jugendmedien SIKJM mit dem Volksschulamt Zürich entstand die vorliegende praxisorientierte Handreichung, die Lehrpersonen der Sekundarstufe eine Liste von Sachmedien für wenig lesegeübte Jugendliche zur Verfügung stellt. Die Handreichung möchte auch die Lesemotivation fördern, und zwar durch das Erreichen einer besseren Anpassung von Lesestoff, Kompetenzen und Leserinteressen. Aus der Forschung ist bekannt, dass auch männliche Jugendliche ausserhalb der Schule durchaus ein genussorientiertes Lesen von Sachmedien kennen: Sie lesen beispielsweise Auto- und Sportzeitschriften, was aber weder von ihnen selbst noch von ihrem Umfeld als ernsthafte Leseleistung betrachtet wird. In der Leseanimation im Rahmen der Schule finden diese Lektüren wenig Platz. Die Handreichung sucht hier eine Brücke zu schlagen, indem sie Sachmedien vorstellt, die sich für die Freizeitlektüre eignen, aber auch in der Schule genutzt werden können.
Lesen von diskontinuierlichen Texten
Lesekompetenz bedeutet die Fertigkeit, in konkreten Situationen lesend an notwendige Informationen zu gelangen, sie zu verarbeiten und produktiv für die eigenen Ziele zu nutzen. Das heisst: Die gelungene Rezeption dieser Informationen baut auf eine vielschichtige Kompetenz, die u.a. auch das Lesen von diskontinuierlichen Texten einschliesst. Sehr viele Sachtexte sind diskontinuierliche Texte. Hier wird der Textfluss unterbrochen durch Titel verschiedenster Hierarchien, Zusatz-Infoboxen mit Text, Zeichnungen, Fotos, Diagrammen, Tabellen oder Karten.
Unterscheidung Fakten - Fiktion
Jüngere Kinder legen wenig Wert auf die Unterscheidung zwischen fiktionalen und nicht-fiktionalen Texten. Sie bevorzugen „gute“, sprich spannende Geschichten. In der Zeit des Abschieds von der Kindheit findet bei vielen Schülerinnen und Schülern eine Umorientierung statt. Information, Wissen über Themen, die einen persönlich betreffen, werden wichtig. Das Interesse an Fakten nimmt zu. Auf der Suche nach Orientierung wird zwischen Fakten und Fiktion unterschieden.
"Sachmedien-Genussleser"
Besonders männliche Jugendliche lesen lieber Sachtexte – in Zeitschriften, Büchern oder im Internet – als Romane. Während das Lesen von Fiktion als ernsthafte Unterhaltung gilt und das Eintauchen in Geschichten als Suche nach einem Rückzugsort gedeutet und akzeptiert wird, wird die Sachtextlektüre oft gerade vom Umfeld gar nicht als Lesen empfunden und entsprechend in Gesprächen nicht als literale Aktivität offen gelegt. Die Folge ist, dass die Aktivitäten dieser „Sachmedien-Genussleser“ nicht die nötige Aufmerksamkeit erfahren und in der Schule nicht gefördert werden.
